Selbstliebe: Unperfekt perfekt – und wie du das auch kannst

Hast du schon mal in den Spiegel geguckt und gesagt „Man, heute sehe ich richtig toll aus“? Nicht? Ich auch nicht – bis vor kurzem. Na gut, ich gebe es zu, ich habe immer noch damit zu kämpfen. Womit überhaupt? Mit dem Thema Selbstliebe.
Denn ganz langsam bin ich dabei, an dem Punkt anzukommen, an dem ich verstehe was es heißt, mich endlich selbst zu lieben und für mich selbst die wichtigse Person zu sein. Ich habe eine tolle Richtung eingeschlagen – aber ich bin noch längst nicht am Ziel.
Zeit also, sich ein paar Gedanken zu dem Thema zu machen und den ein oder anderen Tipp zu geben, wie wir uns alle ein bisschen mehr mögen können.

Selbstliebe – das klingt so egoistisch, narzisstisch. Als würde sich die Welt nur um das eigene Selbst drehen. Viele Menschen trauen sich nicht, sich selbst einzugestehen, wie toll sie sind und wie klasse es ist, dass sie eine schwierige Aufgabe bewältigt haben. Warum eigentlich nicht? Weil uns die Gesellschaft sagt: „Eigenlob stinkt!“
Doch genau das ist die falsche Herangehensweise. Ich sage: Mainstream ist Mist! Mach genau dein Ding und sei so, wie du bist.

Selbstliebe: unperfekt perfekt

Aber wie fange ich an, mich selbst zu lieben?
Zunächst: Es ist nicht unbedingt nur dein Aussehen. Es ist nicht das, was du sagst. Sondern vielmehr, wie du im Inneren zu dir selbst bist.
Häufig ist das, was wir der Außenwelt zeigen zu einem Teil eine Maske, eine Fassade – nicht das richtige „Ich“. Was wir lernen müssen zu verstehen ist, das es ok ist real zu sein, schwach zu sein. Es ist ok, nicht perfekt zu sein. Es ist ok einfach nur man selbst zu sein.

Die Beziehung zu dir selbst ist die wichtigste Beziehung in deinem Leben. Warum? Weil du, wenn du dich selbst liebst, nicht mehr das Bild von irgendjemanden oder für irgendjemanden ausfüllen musst, um intelligent, wunderschön, erfolgreich und perfekt zu sein.

Eigentlich denkt man ja, es könnte so leicht sein: Ich sage mir selbst „Ich mag mich, ich bin toll wie ich bin, ich akzeptiere und ich liebe mich“ und mit einem Fingerschnipsen ist man seine Person geworden, die Selbstliebe praktiziert.  Ist es nicht. Aber du kannst an dir arbeiten und feststellen: Ich bin schön.

Du bist dein Körper. Du bist deine Gefühle. Deine Worte, deine Gedanken, deine Handlungen.
Und du bist toll, wie du bist.

Ok, und wie übe ich jetzt SELBSTLieBE?
  1. Höre auf, deine Meinung anhand gesellschaftlicher Standarts und Meinungen anderer zu bilden.
    Du brauchst eine Thigh-Gap um schön zu sein? Lange Haare oder ein Six-Pack? Du musst als Mann Fußball spielen um männlich zu sein? Nö. Einfach nö! Du kannst tun und lassen was zu willst und wenn du etwas gerne machst, das andere aber nicht mögen: Scheiß drauf! So lange du es toll findest: Mach es.
  2.  Sage dir selbst wie toll das ist was du gemacht hast
    Lobe dich häufiger. Wir Deutschen sind so geizig mit Komplimenten. Positive Gedanken, egal wie klein sie sind, sind der richtige Weg zur Selbstliebe. Das kann auch etwas banales sein, beispielsweise: „Heute habe meinen Schreibtisch aber toll aufgeräumt!“.
  3. Stell dich vor den Spiegel, nimm dir Zeit und schaue dich an.
    Jeden Punkt deines Körpers. Ist das Speck? Eine Narbe? Bist du zu dick oder zu dünn? Was stört dich und wenn ja warum?
    Ich habe vor ein paar Jahren gemeint ich muss dünn sein, damit ich mit mir zufrieden bin, dann kam auch noch schulischer und psychischer Druck dazu.
    Das ist ziemlich schief gegangen und am Ende war ich nicht nur sehr abgemagert, sondern auch sehr unglücklich. Mittlerweile geht es mir wieder gut, ich habe wieder mehr auf den Rippen, aber ich habe auch mehr Muskeln und ich bin stark und leistungsfähig. Und genau das will ich sein. Cellulite? Habe ich und das ist vollkommen ok.
  4. Schreib dir ein Selbstliebe-Buch.
    Da kommt rein, wenn dir jemand ein schönes Kompliment gemacht hat. Was du heute tolles erreicht hast und was du wie hättest besser machen können. Welche Stellen du magst und warum. Was dich glücklich macht und was du gerne häufiger machen würdest – und das mache es auch.
  5. Du bist toll wie du bist, wenn du mit dir zufrieden bist.
    Du bist echt schwer in Ordnung, weißt du das?
    Wenn du nicht zufrieden bist: Ändere das. Natürlich ist es harte Arbeit ab- oder zuzunehmen, fit zu werden oder sich selbst ein Kompiiment zu schenken. Aber du kannst daran arbeiten, jeden Tag ein bisschen und irgendwann stellst du fest: „Hey, das ist gar nicht so schwer!“. Aber: Mache es für dich. Nicht (nur) für deinen neuen Lover, ein doofes Gesellschaftsbild oder die Strandfigur.
Alle Körper sind schön

Alle Körper können auf ihre individuelle Art schön sein. Dünne Körper sind schön, dicke Körper sind schön, muskulöse Körper sind schön – so lange du dabei gesund bist und dir nicht selbst schadest. Was wirklich zählt, ist dein Inneres. Es ist das Strahlen in deinen Augen.
Darum geht es bei Schönheit, um Liebe und Lachen. Nicht um dein Gewicht, deine Größe, deine Kleidergröße, Haarfarbe oder Hautfarbe. Alles was zählt, ist deine innere Schönheit. Und äußerlich? Alles ist möglich! Unser Körper wurde dazu geschaffen Dinge zu tun. Wir können laufen, springen, singen, tanzen, zuhören. Warum sollten wir unseren Körper hassen, wenn er doch so etwas wunderschönes und wichtiges in unserem Leben ist. Wir haben nur diesen einen Körper und dieses eine Leben. Lieben wir uns. Lasst uns eine Strategie finden, gut mit uns selbst umzugehen und uns selbst so zu feiern, wie wir sind.

Ich hatte, wie so viele, über meine 23 Jahre hinweg eine mal positive, mal negative Beziehung zu meinem Körper. Es gibt Tage, da liebe ich meinen Körper dafür, wie stark er ist, dass er mich täglich bewegt und dass ich dieser Körper sein darf. Und dann gibt es Tage, an denen eine kritische Stimme mir sagt, dass ich „nicht perfekt“ bin und nicht so aussehe, wie ich „aussehen sollte“.
Aber „perfekt“ und „sollte so oder so aussehen“ sind keine Vokabeln, die im Selbstliebe-Wörterbuch stehen sollten. Ich erlaube mir so zu sein, wie ich bin. Und seit ich diesen Gedanken einmal im Kopf hatte, spüre ich Erleichterung wenn ich daran denke, dass ich so sein kann, wie ich bin und ich niemandem darüber Rechenschaft ablegen muss.

A letter to my body

Lieber Körper,

Ich schätze und respektiere deine Weisheit und dein Können. Du kämpfst jeden Tag so hart – um mich am Leben zu erhalten und all das zu Heilen, was über die Jahre hinweg kaputt gegangen ist. Ein gebrochenes Herz, ein paar zerstörte Zellen, meine Organe. Du arbeitest pausenlos um Krankheiten zu verhindern, zu heilen und mir das Gefühl zu geben, gesund zu sein.
Auch wenn ich mich manchmal frustriert bin, wie du dich anfühlst, weiß ich, dass es nicht dein Fehler ist – sondern der meines Verstandes.
Ich danke dir für deine Geduld und die Möglichkeit mir zu sagen, wenn ich es übertreibe und einen Gang runter schalten, schlafen und eine Pause machen sollte.
Ich schätze, wenn du mir sagst, wenn du genug Schlaf hattest, gesund bist und wenn du so viel Energie hast, dass du nichts anderes machen kannst, als laufen zu gehen. Ich liebe es, wie du dich bewegst. Ich liebe die Art, wie du Sport treiben, lange Spaziergänge machen und die raue Tenperatur des Windes auf der Haut fühlen kannst.
Ich schätze deine Ideen, die dir zu unmöglichsten Zeiten und an den unmöglichsten Orten einfallen. Und ich liebe es, wie du sie umsetzt und den Prozess des Schaffens genießt.
Ich liebe, wie du die Wärme der Sonne genießt und eine Umgebung aus Liebe und Hoffnung schaffst.
Danke, dass du mir das ermöglichst. Danke, dass du geduldig bist, wenn es mein Herz und mein Kopf nicht sind.
Ich schätze mein Augenlicht und die Möglichkeit die Farben des Regenbogens zu sehen. Ich mag das Gefühl einer Umarmung, wenn mir jemand über den Kopf streicht und du mich spüren lässt, wie schnell mein Herz dabei schlägt.
Ich liebe es, wie klug du bist und wie du mit meinem Geist zusammenarbeitest. Schnell, effizient, schön.
Ich schätze deine Möglichkeit nachts zu träumen – auch wenn es Alpträume sind. Ich liebe die Energie, die durch dich fließt. Deine Intuition hat mir schon oft den richtigen Weg gewiesen und ich weiß, dass ich auf dich hören kann. Ich schätze alle Sinne und wie du für mich da bist.
Und du weißt, dass ich auf dich aufpasse, dass ich dich liebe, genau auf die Weise, die du brauchst.

In Liebe,
Janina

Dieser Blogpost ist ein Beitrag zu der Blogparade „Selbstliebe gegen Selbsthass“.

 

 

 

1 Kommentare

  1. Wow, so ein wundervoller Beitrag, dass ich wirklich schon Tränen in den Augen habe. Ich glaube, dass jeder von uns ein bisschen mehr Selbstliebe vertragen könnte, und du hast das wirklich wunderbar rüber gebracht. Besonders wichtig ist dein erster Punkt: Die Meinung anderer ist egal. Wobei das ja immer leichter gesagt als getan ist. Es ist wirklich harte Arbeit, sich selber zu lieben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.