„Ich bin nicht wie andere Mädchen“

„Ich bin nicht wie andere Mädchen.“
Diesen Satz hast du bestimmt schon mal gehört oder sogar selbst schon einmal gesagt – zu deinem Date oder zu deinen Freunden. Diese anderen Mädchen, wer sind sie?
Mädchen, die One Night Stands haben, viel Make Up tragen, Diät halten, um ihre Frisur fürchten und auf Mädelsabenden hysterisch zu Prosecco kichern. Kommt dir dieser Gedanke bekannt vor?

Mir schon, ich habe das viel zu oft gedacht und ich weiß: Mit dieser Aussage sind viele Dinge falsch. Es gibt keine anderen Mädchen.
Frauen und Mädchen sind komplex. Jede hat  ihren eigenen Interessen, Hobbies, Charakterzüge. Es ist unmöglich viele Frauen in ein Stereotype zu pressen und genau, das macht diese Aussage.
Doch warum wollen Mädchen und Mädchen nicht wie andere Mädchen und Frauen sein?

Seit wir klein sind entwickeln wir einen Ablehnung gegenüber dem eigenen Geschlecht. Während wir aufwachsen, lernen wir, das Weiblichkeit gleichbedeutend ist mit Oberflächlichkeit. Wir lernen den Umgang mit Schminke, stibitzen uns Röcke aus Mamas Kleiderschrank und reden mit Freundinnen über unsere viel zu krausen Haare und viel zu breite Hüften.
Historisch gesehen wird Weiblichkeit oft mit Schwäche assoziiert. Es sind Männer, welche die Welt regierten, Kriege begonnen und Geschichte geschrieben haben. Frauen in der Geschichte: Nur ein Anhängsel und im Rücken starker Männer? Nein. Es gibt viele Frauen, die etwas bewegt haben – beispielsweise Jeanne d´Arc oder Victoria Woodhulf Martin – denen aber nicht dasselbe  Scheinwerferlicht der Aufmerksamkeit geschenkt wurde wie Männern.

Hey Bitch! – mädchen und stereotype

Vielleicht sagst du, dass  du nicht mit anderen Mädchen klar kommst. Dass du lieber Männern deine Freunde nennst, weil Frauen zu anstrengend und oft zu zickig sind. Aber: Das ist, als würdest du sagen „Ich mag keine Menschen mit braunen Haaren.“ Das ist eine Verallgemeinerung, die du vielleicht aufgrund der ein oder anderen schlechten Erfahrung, die du gemacht hast, triffst. Eigentlich albern, oder?
Doch warum denken viele Menschen so?
Weil sie sehen, wie andere Mädchen sich stereotyp verhalten oder in Stereotypen gepresst werden, wie Frauen andere Frauen „Bitch!“ nennen  oder es heißt „Du bist doch ein Mädchen, du solltest lange Haare haben und Rosa mögen.“

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Aber dich von anderen Frauen abzugrenzen, sie schlecht zu machen, weil man selbst als besonders und toll dargestellt werden möchte, ist auch nicht die Lösung.
Oft sind Frauen, die so über andere Frauen sprechen, Menschen die glauben, mit anderen Frauen konkurrieren zu müssen. Vielleicht handeln sie so, um sich selbst attraktiver zu machen, vielleicht für einen Mann.
Doch indem du sagst „Hey Boy, ich bin nicht wie die anderen, die du bisher vielleicht hattest!“ wertest du ein ganzes Geschlecht von starken, kreativen, mächtigen Frauen ab. Indem du das sagst bekräftigst du diesen Gedanken, dass Frauen einem Sterotyp entsprechen und vielleicht sogar schwach sind – während du selbst angeblich nicht so bist.

Girlie girl und tomboy: Ich will vielfalt

Ich glaube daran, dass es Gleichberechtigung gibt. Nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern auch zwischen Frauen.
Frauen haben ein Recht darauf, ein „Girlie Girl“ zu sein und dass eine Frau ebenso das Recht darauf hat, zu Hause zu bleiben und Mutter zu sein, wie sie das Recht hat, ein Girlboss zu sein und hart zu arbeiten. Nichts davon macht ein Mädchen besser als ein anderes Mädchen, egal ob du Make Up trägst oder kein Make Up trägst, dich schick machst oder im Kapuzenpulli herumläufst.

Ich möchte Frauen sehen, die in der Literatur und im Film – aber besonders in der Realität – stark abgebildet werden bzw. sind, gleichzeitig aber auch schwach und komplex sein können. Ich will alle Schichten von Menschlichkeit sehen, die es gibt. Keine eindimensionalen Charaktere. Weil Frauen eben so sind und nicht „wie andere“.

Frauen sind toll! Sie sind cool! Du solltest froh sein, eine Frau zu sein (wenn du denn eine Frau bist) und du solltest nie das Bedürfnis zu haben, dich deswegen erklären zu müssen. Und du solltest nie wieder das Bedürfnis haben, den Satz sagen zu müssen: „Ich bin nicht wie andere Mädchen.“

 

10 Kommentare

  1. Pingback: weibertratsch: wann du besser die klappe hältst! - frauenmut

  2. Ohja, in deinen Worten steckt viel Wahrheit.
    Natürlich habe ich diesen Satz auch schon einmal gesagt und wollte mich damit eigentlich nur erheben und mich besser darstellen. Zum Glück habe ich irgendwann erkannt, dass es nicht die Frau oder den Mann gibt.

  3. Liebe Janina!

    Ich finde diesen Beitrag sehr wichtig. Und ich stimme mit dir absolut darin überein, dass auch Frauen untereinander nicht die stereotypen Bilder, die uns die (männliche dominierte?) Gesellschaft auferlegt, intern reproduzieren sollten, indem wir – aus welcher Perspektive auch immer – einen anderen weiblichen Lebensentwurf als den unseren abwerten.

    Denn nichts anderes tun wir, wenn wir die Hausfrau als unemanzipiert belächeln und sie uns wiederum als Rabenmutter tituliert. Wir reproduzieren von außen an uns herangetragene Muster zur Bewertung der „Frau“ im Allgemeinen. Wobei doch eigentlich in Frage stehen müsste, was dieser Begriff an sich eigentlich bedeutet und ob man diese vielen, vielen Menschen, die darunterfallen, so generalisierend beschreiben kann.

    Liebe Grüße
    Jenni

  4. Toller Artikel! Und ja ich habe mich ertappt gefühlt, weil auch ich zu denen gehöre, die diesen Satz schon mehr als einmal verwendet haben. Auch deine Erklärungen warum man ihn nutzt kann ich voll nachvollziehen 🙈🙈🙈
    Danke fürs „Spiegel vorhalten“ 😊 LG Silke

  5. Jeder von uns sollte erkennen ein Individuum zu sein! Und das ist doch auch gut so! Ich versuche immer, alle Menschen so zu neem wie sie sind. Zugegeben, das ist nicht immer einfach, aber mir gehts besser damit, als Andere zu verurteilen. Ein schöner Bericht ☺. Lg Nadine von Nanniswelt!

  6. Ähm… Ich bin aber wirklich nicht wie andere Mädchen. Oder wie andere Frauen. Oder andere Jungen. Oder andere Männer. Oder wie andere ganz allgemein. Ich bin ich. So wie ich bin. Nicht wie andere. Ich bin anders. Jeder ist anders. 😉

    Sorry, das musste einfach sein, denn es war mein erster Gedanke. Aber ich gebe deinem Text recht. So wie der Satz „Ich bin nicht wie andere Mädchen.“ meistens benutzt wird, sollte er wirklich nicht benutzt werden.
    LG Lexa

    • Vollkommen richtig, wir sind alle Individuen! Jeder ist einzigartig.
      Aber darum ging es mir bei dem Text ja auch nicht, wie du ja erkannt hast.
      Mich stört es, dass ich diesen Satz schon häufig gehört habe, aber die meisten eigentlich gar nicht darüber nachdenken, was sie da eigentlich sagen bzw. wie man diesen Satz eben noch verstehen kann. Und das ist schade.

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