Ich habe Angst

Ich habe Angst. Angst, vor allem, was kommt.
Meine Zukunft liegt ein leeres, weites Feld vor mir, über das am Morgen der Nebel hängt. Ich zaudere, den ersten Schritt auf das nasse, kalte Gras möchte ich kaum setzen. Was, wenn ich ausrutsche und hinfalle? Mir wehtue? Egal, wie sehr ich die Augen zusammenkneife, der Nebel lichtet sich nicht.
Wohin soll ich mich wenden? In welche Richtung soll ich gehen?
Leider gibt es niemanden, der mir hilfreiche Wegweiser an den Rand dieses doofen Feldes gestellt hat. Und so blicke ich allein und ungewiss Richtung „Janina im Jahr 2017“.

Hinter mir liegt der Weg, den ich bereits gegangen bin. Abitur, Studium, gute Noten und Praktika – alles schön ohne Lücke aneinandergereiht. So, wie es Personaler angeblich gerne hätten. Mittlerweile schüttele ich manchmal den Kopf über meinen fehlenden Mut. Warum habe ich nicht etwas anderes studiert? Warum glaube ich, dass ich etwas bestimmtes nicht kann wie beispielsweise einen Job in der Kreativbranche? Warum habe ich kein Auslandssemester gemacht (ok, mit Germanistik?!)? Warum, warum. Zweifelnde Fragen über Fragen.
Es bringt leider nichts, sich über vergangene Ereignisse den Kopf zu zerbrechen. Dafür kann ich bestimmen, was kommen soll. Ich allein bin die Meisterin meiner Zukunft. Naja, ein bisschen zumindest.

Das Ende meines letzten Semesters an der Uni rückt näher. Ein paar Prüfungen stehen noch aus. Aber wenn die Unibürokratie und ich uns zusammentun und endlich mal an einem Strang ziehen, dann dürfte ich im Januar (hoffentlich!), vielleicht auch Februar (bitte nicht!) des kommenden Jahres fertig werden. Und dann?
Ich, die sich die Worte Planerin & Perfektionistin auf die Stirn tätowieren lassen könnte, beginne jetzt, mir verzweifelte Gedanken über meine Zukunft zu machen. Dabei versuche ich die jammernde Sorge „Hey, drei Monate vor Abschluss des Studiums ist ein bisschen spät, um das wie-geht-es-weiter zu planen“ zu ignorieren und dem hoffnungsvollen „Hey, manche Leute beginnen erst nach ihrer Abschlussprüfung damit!“ mehr Raum zu geben.

Angst: Was kommt?

Bachelor in der Tasche? Fast „Check“. Möglichkeiten? Quasi alle. Leider – oder juhu, wie mange sagen würden – gehört mein Studium der Germanistik und der Soziologie zu den Studiengängen, die nicht direkt auf einen bestimmten Beruf zusteuern wie es beispielsweise bei Medizin der Fall ist.

Die erste Frage, die Leute mir stellen, wenn ich ihnen von meinem Studium erzähle, ist: „Ah und was machst du damit?“ Meine clevere Antwort: „Alles und Nichts!“ Wenn mir mein Studium etwas beigebracht hat, dann das: Ich bin eine textliebende Allrounderin, die sich wunderbar in Dinge einarbeiten kann und damit in Bereichen wie Kulturwesen, Verlagswesen, Journalismus, Agenturarbeit einsteigen kann – um nur die gängigen Branchen zu nennen.

Klar, das steht auch alles auf meiner Liste. Aber da Problem beginnt schon damit: Master oder Job bzw. Trainee/Volontariat? Viele raten nach einem geisteswissenschaftlichen Studium zu einem Master. Mein Problem: Ich werde im Sommersemester fertig und die meisten Unis bieten Masterstudiengänge nur im Wintersemester an. Das heißt, ich müsste die Zeit bist zum Wintersemester 2017 überbrücken. Außerdem möchte ich keinen Master in Germanistik machen. Kann ich also in einem Bereich einsteigen, der fachfremd ist, aber zumindest gewisse Überschneidungen mit Germanistik hat?

Angst: Wohin mit mir?

Was, wenn ich keinen Masterstudienplatz bekomme und dann ein halbes Jahr „umsonst“ gewartet habe?! Natürlich kann ich in dieser Zeit auch noch ein Praktikum machen (juhu, ich zähle eindeutig zu der Generation Praktikum!) oder mir übergangsweise einen Job suchen. Was aber, wenn ich dann feststelle „Ok, ein Master wird es doch nicht, suche ich mir eben einen richtigen Beruf“ – habe ich dann Zeit verloren?
Während ich diese Zeilen schreibe, fühle ich mich gehetzt und alt. Dabei bin ich 23 Jahre und mir steht die Welt offen. Ich lebe privilegiert, bin die erste in meiner Familie, die studiert und weiß, dass ich auf unfassbar hohem Niveau jammere. Aber, ja, ich weiß nicht wie es weitergehen soll! Ja verdammt, ich habe Zukunftsängste.

Ich weiß nicht, was genau ich machen will und ich hoffe, die Eingebung kommt noch, wenn ich nur gründlich darüber nachdenke und alle Möglichkeiten sammle. Immerhin habe ich ein Word-Dokument angelegt, dass den drohenden Namen „Zukunft“ trägt und in das ich mich interessierende Masterstudiengänge (von K wie Kreativ bis O wie Organisationskommunikation) und mögliche Unternehmen eingetragen habe. So richtig geholfen hat das noch nicht, aber ein bisschen Ordnung reingebracht. Ich weiß, dass ich noch gar nicht so viel weiß, aber zumindest eine Richtung habe.

Was ich aber weiß ist: Ich möchte etwas machen, bei dem ich kreativ sein kann, bei dem ich schreiben und texten kann, bei dem ich über die von mir selbstgebastelte Grenzen klettere und wenn möglich auch noch nachhaltige Entscheidungen treffen kann. Ich möchte etwas machen, das mich selbst verwirklicht und dabei die Welt hoffentlich noch ein kleines bisschen besser macht. Ist das denn zu viel verlangt?

Ja, ich habe Angst. Aber ich darf das. Eine kluge Person hat einmal gesagt:
Mut ist Angst zu haben, es aber trotzdem zu tun.
In diesem Sinne: Hebt eure Gläser und stimmt mit ein wenn ich sage: Auf die Zukunft!
Kennt ihr solche Zukunftsängste? Habt ihr Tipps & Tricks & Möglichkeiten & Jobs, wie es bei euch weitergegangen ist?

2 Kommentare

  1. Liebe Janina,
    ich glaube, wir müssen uns nicht für solche „privilegierten“ Ängste schämen. Okay, niemand in der Familie konnte bisher studieren. Aber gerade das macht es ja auch so schwer für uns. Man muss alleine da durch und die Sorgen werden oft nicht ganz verstanden, weil für die Familie allein „Studium“ schon „Sicherheit“ bedeutet. Ich bin auch Arbeiterkind. Für meine Mutter zum Beispiel gab es nach der Realschule eigentlich nur eine Richtung: Eine Lehre. Und zwei Berufe, die ihr gefielen, Konditorin und Schneiderin. Für die Konditoreiausbildung hätte sie um 4 Uhr morgens in eine naheliegende Stadt gemusst, was nicht ging, weil keine Züge zu der Uhrzeit fuhren und sie mit 16 noch nicht Auto fahren durfte. Also wurde sie Schneiderin. Und blieb auch lange Schneiderin. Erst seit wenigen Jahren macht sie in derselben Firma Qualitätssicherung mit ihrem Know-How. Für mich gibt es alleine in der Agentur 5 Berufe, die ich spannend finde, und für drei davon (Text, Art, Konzept) habe ich auch zumindest ein Grundtalent. Es ist nicht leicht, da irgendwann eine beherzte Entscheidung zu treffen. Und deshalb würde ich ein Praktikum zwischendurch auch nicht als Problem sehen, sondern als Chance! So wie es klingt, würde ich es an deiner Stelle vielleicht erstmal mit Text versuchen. Meiner Erfahrung nach spürt man irgendwann nach mehr oder weniger langem Ausprobieren, welches (vorerst) der richtige Beruf ist. Das Gute ist ja auch, dass es heutzutage nicht mehr für immer sein muss.

  2. Mein Tipp: Weniger Sorgen, mehr Hoffnung. 😉
    Ist einfach gesagt und schwer gemacht, ich weiß.

    Ich stand nach meinem Bachelor vor den gleichen Gedanken. Auch mit einem Soziologie-Studium. Alles und nichts beschreibt es sehr gut und ist genau das Problem.
    Ich wusste nur, dass ich keinen Bock mehr auf Studium habe, das war es an Zukunftsplänen… in den 2 Jahren seit meinem Abschluss war ich selbstständig als Ernährungsberaterin, habe eine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie gemacht und eine zum Systemischen Coach. Alles interessant, alles toll, aber nichts für die Nahe Zukunft…
    Seit September mache ich jetzt doch einen Master. Angewandte Kommunikationswissenschaft an der FH Kiel (regulärer Beginn übrigens im SoSe 😉 ).
    Manchmal habe ich das Gefühl, mein Leben besteht aus zu vielen Umwegen und das Ziel ist immer noch nicht konkret. Das nervt gewaltig…!
    Dann gucke ich mir an, was andere so machen und denke mir: „Eigentlich bist du doch ziemlich zielstrebig.“

    Du wirst deinen Weg schon finden…nach unseren Studiengängen ist leider anscheinend der Weg das Ziel. Mediziner und Co. haben es da einfacher.

    Wenn du mal mit jemanden quatschen willst, der auch nicht wusste wie es weitergeht, dann schreib mir gern ne Mail.

    LG Lexa

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