Mehr vom Weniger – wie wir Minimalismus leben können

Im Jahr 2016 habe ich angefangen über das Thema Minimalismus nachzudenken. Ich habe mir überlegt, dass ich erst einmal nichts kaufen will und dass ich weniger Müll produzieren möchte. Gleichzeitig denke ich mir: Reicht das? Was bedeutet Minimalismus eigentlich? Ich will doch eigentlich mehr. Aber nicht mehr von allem, was ich habe. Nein, ich will mehr vom Weniger. Was bedeutet Minimalismus im Jahr 2017 für mich und wie kann ich ihn umsetzen?

Der Grundgedanke des Minimalismus lautet für mich: Loslassen. Mich zu befreien, von allem, was nicht grundlegend wichtig ist und mich nicht erfüllt – um stattdessen erfüllenderen Dingen Platz zu machen.
Aber irgendwie ist das gar nicht so einfach. Ich glaube, das hängt mit unserer schnelllebigen Welt zusammen. Wir sind nicht frei und wir glauben auch, uns gar nicht so schnell freimachen zu können. Wir füllen unsere Tage damit, zur Arbeit, in die Schule oder in die Uni zu gehen. Die Zeit, die nur uns gehört und die wir in unserer Wohnung verbringen, in der so viel Zeug herumsteht, verplanen wir mit Freunden, Beziehungen, Hobbies. Keine Frage, das kann toll sein. Aber mich belastet es manchmal auch. Ich frage mich, was davon ist wirklich wichtig?

Und dann ist da noch Social Media, das Fernsehen, das Internet. Täglich flimmern so viele Worte und Ereignisse über unsere Bildschirme, dass wir gar nicht alles verarbeiten können. Dennoch kämpfen wir darum mitzubekommen, wo X jetzt Urlaub macht, was in der Mail vom Chef steht und schauen nebenher noch eine Serie. Ich habe das Gefühl, wir sind verplant. Und zu vernetzt. Alles schreit nach Verpflichtung und aktiv sein – dabei bin ich manchmal müde und mir nimmt die Freiheit, die ich doch eigentlich habe, die Luft zum Atmen.

Ist Minimalismus die Lösung für unsere Probleme?

 

Über mir türmt sich ein Berg aus täglichem „du musst dies und du musst das“ und „was ziehe ich an“ und „mit wem verbringe ich wie meine Zeit, um meine leeren Stunden zu füllen“. Ich möchte mich freischaufeln. Aber wie?
Minimalismus bedeutet für mich nicht, alles wegzuwerfen, was ich habe. Sei es im materiellen oder immateriellen Sinne. Es geht nicht darum, den Kleiderschrank oder Facebook-Freundesliste leer zu räumen und zu der Person zu werden, die am wenigsten besitzt.
Eigentlich geht es doch darum zu überlegen, was man wirklich braucht und was nicht. Was positive Gefühle auslöst – und welche Dinge mich unglücklich machen.

Bei mir beginnt Minimalismus mit Fragen. Welche Dinge sind mir wichtig? Welche 3 Dinge mache ich gerne? Und muss ich dann nebenher auch noch so viel von dem machen, was ich gar nicht so mag? Was begeistert mich wirklich? Und was löst Ablehnung in mir aus? Wie sieht mein Kleiderschrank aus? Habe ich 20 Teile und ziehe nur 10 an? Was ist Belastung und was Freude? Welche Verpflichtungen würde ich gerne abgeben und wozu würde ich gerne häufiger ja! sagen?

How to: Minimalismus

Ich habe angefangen Listen zu schreiben. Das hilft mir nicht nur, Geld zu sparen, sondern reduziert meine Gedanken auf das Wesentliche. Das sind Einkaufslisten, To-Do-Listen, Listen für das, was ich mir kaufen möchte. Eine tolle Idee finde ich es auch, sich am Anfang der Woche hinzusetzen und zu überlegen, was ich jeden Tag essen möchte. Das spart Geld beim Einkauf und man muss nicht jeden Tag verzweifelt überlegen, was heute auf dem Tisch landen soll. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Rezeptbuch, in das du nur Rezepte notierst, die du besonders magst? Im Laufe der Zeit sammeln sich so leckere Gerichte an und weißt genau, was du magst und was nicht.

Diese Woche war ich mit meiner Schwester shoppen. Nicht, weil ich etwas gebraucht hätte, sondern weil ich sie begleiten wollte. Ich bin bereits mit dem Gedanken losgezogen, mir nichts zu kaufen. Mein Kleiderschrank ist voll, ich brauche nicht noch fünf weitere T-Shirts. Überrascht habe ich festgestellt, wie leicht das war. Ich fand mich zwischen Kleiderstangen wider und ich empfand diesen Überfluss an Kleidung und Möglichkeiten fast anstrengend. Natürlich sehe ich mir auch ein Kleidungsstück an und denke mir „Oh, das ist schön“. Aber ich muss es nicht besitzen, um es schön finden zu können.

Ich versuche mir nur noch das zu nehmen, was ich wirklich brauche. Manchmal habe ich mich dabei erwischt, wie ich etwas gekauft habe, um eine gewisse Leere in mir zu füllen – oder weil es mir an dem Tag nicht so gut ging. Ich bin mit dem Gedanken losgezogen „Wenn ich das besitze, macht es mich glücklich“. Das stimmt auch. Kennst du den kurzen Rausch des Glücks, nachdem du etwas Neues erworben hast? Dieser dauert oft nur kurz an und verfliegt schnell wieder. Aus dem Tollen wird dann Ballast. Deswegen finde ich es schön, vor jedem Einkauf zu überlegen: Macht es mich glücklich? Esse ich das wirklich oder ziehe ich das auch noch in fünf Jahren an? Ich will nicht, dass Dinge mich besitzen. Sondern, dass ich frei entscheiden kann was ich besitze.
Alles, was wir uns zulegen muss untergebracht werden und wir müssen uns darum kümmern, Raum dafür schaffen. Ich mag es, weniger zu haben.

Dem strom des Lebens lauschen

Für mich heißt Minimalismus nicht nur, Dinge zu besitzen die ich mag. Es heißt auch, mehr über mein Leben zu reflektieren. Zeit ist ein kostbares Gut. Wir verschwenden sie häufig und erledigen Dieses und Jenes, von dem wir glauben, dass wir es müssen oder dass es von uns erwartet wird. Wie wäre es damit, einfach mal nichts zu tun?

Ich bin ein Mensch, der Unproduktivität hasst. Am liebsten würde ich den ganzen Tag Dinge erledigen, die „sinnvoll“ sind und mich weiterbringen, beispielweise zu lernen oder an denen ich mich mit Freunden treffe, um Beziehungen zu pflegen. Was hilft?
Einfach mal nichts tun. Das klingt leichter gesagt als getan. Reserviere dir Stunden, die nur dir gehören. Hier musst du nichts tun. Du kannst machen, was du willst. Wenn du Lust hast zu lernen, dann mach das. Aber nur weil du willst, nicht weil du musst. Ich finde es leicht, wenn man hier mit wenig anfängt und sich steigert. Wie wäre es mit einer halben Stunde pro Tag, in der du einfach nur lesen-gammeln-entspannen kannst?

 Minimalismus kann einfach sein – wenn wir ihn zulassen. Wir müssen nicht 10 Läden durchstreifen um dann doch nicht zu finden, was wir zu suchen glauben. Manchmal reicht es auch, wenn wir uns zurücklehnen und lächeln. Und dem Strom des Lebens lauschen.

 

Ein paar Tipps und Anstöße für mehr weniger:

1. Bleibe einen ganzen tag offline

2. Meditiere. Nur für 5 Minuten. Höre deinem Atem zu und lass deinen Gedanken freien lauf

3. Hör auf die zu Beschweren. Akzeptiere die Situation oder ändere etwas daran. Alles liegt in deiner Hand.

4. Identifiziere deine 5 Prioritäten. Was ist dir wichtig?

5. Entwickle eine Morgenroutine. Wie wäre es, wenn du direkt nach dem Aufstehen die erste halbe Stunde offline bleibst und dich in Ruhe hinsetzt, deinen Tee, dein Wasser oder Kaffee trinkst und einfach nur Zeitung liest? Oder Sport machst?

6. Was willst du erreichen? Vorsätze sind doof. Aber Träume und Pläne sind toll. Schreibe sie auf. Arbeite daran, ohne Druck. Du hast alle Zeit der Welt.

7. Räume deinen Kleiderschrank auf. Was ziehst du wirklich an?

8. Gewohnheiten. Was kannst du, was willst du, was machst du? Welche Gewohnheiten könntest du verbessern – würdest du zum Beispiel gerne jeden Abend 5 Seiten lesen?

9. Praktiziere Single-Tasking. Multi-Tasking führt zu schlechterer Konzentration und schlechteren Resultaten.

10. Lass einen ganzen Tag ungeplant.

Was sind eure Gedanken zum Thema Minimalismus? Würdet ihr gerne minimalistischer leben oder seid ihr zufrieden, wie es ist?

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