Nie wieder Tampons! – Meine Alternative

Die Hälfte der Menschheit erlebt sie jeden Monat, im Durchschnitt vier bis fünf Tage:
Die Periode.
Manche denken jetzt vielleicht ‚Iiihh, das ist eklig, warum darüber sprechen?‘
Meine Antwort: Nein, die Regelblutung ist ganz natürlich (wenn auch nichts, was mich in Begeisterung ausbrechen lässt) und nichts, wofür man sich schämen muss. Leider wird sie in vielen Ländern der Welt und auch in Deutschland immer noch tabuisiert.

Ich weiß noch, wie peinlich ich es als Jugendliche fand, Tampons oder Binden zu kaufen und habe die Artikel unter anderen Gegenständen an der Kasse versteckt, in der Hoffnung, sie würden nicht auffallen. Meinem jugendlichen Ich würde ich heute sagen: Es muss dir nicht peinlich sein, das ist ganz normal und außerdem gibt es eine super Alternative, die ich euch heute vorstellen möchte.

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Die Tasse für die Tage: Die Menstruationstasse

Ich benutze sie schon über ein Jahr und möchte nichts anderes mehr: Die Menstruationstasse von MeLuna. Wie ich sie entdeckt habe weiß ich gar nicht mehr, aber ich war sofort begeistert. Gut, ich gebe zu. Am Anfang habe ich gedacht: ‚Oh Gott, wie soll ich das Teil da unten rein bekommen?‘ Aber meine Zweifel haben sich sehr schnell gelegt.

Die Menstruationstasse ist eine Tasse aus medizinischem Silikon, die man zusammengefaltet in die Vagina einsetzt. Dort entfaltet sie sich und fängt wie ein Tampon oder eine Binde das Menstruationsblut auf, kann aber 8 bis 12 Stunden in der Vagina bleiben.
Das bedeutet: Ich wechsel sie zwei Mal am Tag (einmal morgens nach dem Aufstehen und einmal Abends vor dem Schlafen gehen) und habe ansonsten meine Ruhe.
Sie trocknet die Schleimhäute nicht aus und ist nicht, wie der Tampon manchmal, schmerzhaft einzuführen oder man hat nicht das Gefühl, wie bei der Binde, im eigenen Blut zu sitzen. Stattdessen spürt man sie gar nicht, wenn man sie richtig eingesetzt hat. Das Beste: Eine Menstruationstasse ist bis zu 10 Jahre haltbar und produziert keinen Müll, denn das aufgefangene Blut wird direkt in die Toilette gekippt.

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Wir Frauen sind verschieden und jede hat einen individuellen Körper. Die eine hat ein breites Becken, die andere ein ganz schmales, die eine ist noch Jungfrau und wieder eine andere hat bereits drei Kinder geboren. Es gibt nicht nur eine Menstruationstasse für alle. Genauso wenig wie es nur ein paar Schuhe für alle Menschen gibt. Vielleicht hast du ja Schuhgröße 39 und da würde es nichts bringen, sich in Schuhgröße 37 rein zu quetschen. Genauso ist es bei der Menstruationstasse. Für verschiedene Körpertypen gibt es verschiedene Größen.

Ist der Cup zu klein dichtet er vielleicht nicht richtig ab, ist er zu groß, kann er sich nicht vollständig auffalten. Die richtige Größe ist also wichtig.
Natürlich stellt sich hier die Frage: Welche Größe brauche ich?

Das liebe MeLuna-Team hat mir hierfür eine Grafik zu Verfügung gestellt, welche die verschiedenen Größen abgestimmt auf den jeweiligen Körperbau übersichtlich abbildet. Diese Grafik gibt es ebenfalls auf der Website von MeLuna, wo ihr euch auch individuell beraten lassen könnt.

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Das Einsetzen

Am Anfang braucht das Einsetzen vielleicht etwas Übung, bei mir hat es zum Glück sofort geklappt. Vor dem Einsetzen faltet man die Tasse und führt sie wie ein Tampon in die Vagina ein. Sie lässt sich etwas leichter einführen, wenn man sie mit kaltem Wasser nass macht, manche Frauen verwenden auch Gleitgel. Es gibt verschiedene Falttechniken:

Falttechnik 1: Die Dreiecksfaltung

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Hierfür wird der Rand des Cups an einer beliebigen Stelle mit einem Finger nach unten gedrückt. Die Teile des Randes, die nicht herunter gedrückt werden, schließen sich zu einem Kreis zusammen. Umschließe den Cup fest mit deinen Fingern, sodass er in dieser Haltung bleibt und führe ihn mit der Spitze voran ein ein.

Falttechnik 2: Die „Lilie“ 

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Halte die Menstruationstasse zwischen Daumen und Zeigefinger und lege die beiden Ränder zusammen. Drücke nun den Rand mit dem Daumen schräg nach unten, sodass eine Ecke nach unten gefaltet wird. Dann den Cup festhalten und einführen.
Genau wie bei der Dreiecksfaltung wird die Menstruationstasse recht klein, was das Einführen einfacher macht.

Falttechnik 3: Das Herz

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Die Herz-Faltung ist wohl die einfachste Faltung. Allerdings wird die Menstruationstasse hierbei nicht sehr klein zusammen gefaltet, was das Einführen etwas schwieriger machen könnte.
Auch hierbei hält du den Cup zwischen Daumen und Zeigefinger. Drücke mit dem Daumen den Rand ein und lege die beiden Enden aufeinander, sodass eine C-Form entsteht.

Falttechnik 4: Die S-Faltung

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Diese Falttechnik erfordert etwas Fingergeschick. Halte die Tasse zwischen Daumen und Zeigefingern, nimm deinen zweiten Daumen zu Hilfe, sodass die Daumen mittig und nebeneinander liegen. Drücke mit den Daumen den Rand ein und falte den gesamten Rand so, dass er eine S-Form bildet.

Ich persönlich bevorzuge die Dreiecksfaltung.
Die Tasse wird nicht so tief wie ein Tampon eingeführt, sondern nur so weit, dass man das Ende noch greifen kann, also ca. 1 bis 2 Zentimeter vom Scheibeneingang entfernt sitzt. Der Griff (auch davon gibt es unterschiedliche und für den Anfang würde ich auf jeden Fall eine Menstruationstasse mit Griff empfehlen) sollte allerdings nicht aus der Vagina herausragen, das könnte beim Hinsetzen schmerzhaft sein.

Es kann sein, dass sich die Tasse öffnet, bevor du tief genug eingeführt ist. Dann hilft es, noch einmal zu entfernen, neu zu falten und beim erneuten Einführen die Tasse stärker festzuhalten und am untersten Rand etwas nach oben zu drücken.
Nach dem Einsetzen sollte überprüft werden, ob die Tasse richtig sitzt und dicht ist. Dafür einfach einen Finger in die Vagina einführen und am oberen Rand der Tasse entlangfahren. Falls sie nicht richtig sitzt: Etwas an der Tasse ‚rütteln‘ oder sie nochmal neu einführen.

Das Entfernen

Ich hatte beim ersten Mal ziemlich Angst vor dem Entfernen der Menstruationstasse, aber das ist eigentlich ganz leicht. Die Vagina ist kein schwarzes Loch, da kann nichts verloren gehen und da sie nicht so weit wie ein Tampon eingeführt wird, ist sie immer noch tastbar. Falls du die Tasse nicht gleich spürst: Keine Panik! Drücke einfach mit deinem Beckenboden nach unten und die Tasse wird automatisch ein Stück nach unten gepresst, sodass du sie leicht greifen kannst. Doch wie wird der Cup denn nun entfernt? Meine Tipps und Tricks:

  1. Bleib entspannt! Wenn du dich verkrampfst und dabei den Beckenboden anspannst, ist es schwieriger, die Tasse zu entfernen.
  2. Taste mit einem Finger nach dem oberen Rand der Tasse und drücke ein bisschen dagegen, sodass sich der Rand von der Scheidewand löst. Somit wird das entstandene Vakuum gelöst und die Tasse haftet nicht mehr an der Scheidenwand fest. Meist hört man auch ein leises Geräusch.
  3. Greife nun nach dem Griff, falls deine Tasse einen besitzt und benutze ihn als Hilfmittel, um die Tasse herauszuziehen. Niemals einfach nur am Griff ziehen, ohne das Vakuum vorher gelöst zu haben, das ist ziemlich schmerzhaft und löst die Tasse nicht. Parallel kannst du auch den Boden der Tasse greifen, ein bisschen zusammendrücken und so die Tasse herausziehen, das macht die schmäler.
  4. Entleere die Tasse in die Toilette. Anschließend kannst du sie mit klarem Wasser abspülen (auf öffentlichen Toiletten hilft eine mitgebrachte Wasserflasche) oder du säuberst die Tasse mit Toilettenpapier. Danach kannst du sie wieder einsetzen.

Wenn die Periode vorbei ist, muss die Tasse desinfiziert werden. Dazu wird die Tasse einfach in heißem Wasser für 3 bis 5 Minuten ausgekocht. Anschließend trocknen lassen und am besten in einem fusselfreien Beutelchen aufbewahren, die meisten Hersteller liefern das mit. Eine andere Möglichkeit des Desinfektion sind Desinfektionstabletten.

Welche Hersteller gibt es?

Ich benutze eine Tasse von Meluna in der Sport-Variante. Sie ist etwas härter als die Nicht-Sport-Variante, was mich aber noch nie gestört hat. Meiner Meinung nach lässt sie sich dadurch auch besser auffalten. Die Sportversion eignet sich – wie der Name schon sagt – für sportliche Frauen, die einen stärker trainierten Beckenboden haben. Dies ist besonders bei Sportarten wie Reiten, Krafttraining, Joggen, Tanzen und Yoga der Fall. Die MeLuna gibt es mittlerweile sogar beim DM, was ich wirklich toll finde!

Es gibt noch andere tolle Hersteller der Menstruationstasse, die ich euch hier verlinke. Schön, dass es immer mehr Hersteller gibt und das Bewusstsein dafür wächst.

Ruby-Cup: Ruby Cup
Toll ist hier das soziale Engagement! Denn für jeden gekauften Ruby-Cup wird ein Cup an ein Mädchen in Kenia gespendet. Dort kämpfen die Mädchen und Frauen nicht nur häufig damit, sich Binden leisten zu können, sondern auch mit der Stigmatisierung, welche der Menstruation anhaftet und der Angst davor, dieser durch Flecken auf der Kleidung ausgesetzt zu sein.

Ladycup: Ladycup

Lunette: Lunette

Ausgelaufen ist bei mir noch nie etwas und anfangs war ich überrascht, wie wenig Blut – zumindest bei mir – die gesamte Periode hinweg kommt. Bei Tampons sieht das ja immer so aus, als würde man literweise Blut verlieren, da man diese häufiger wechselt.
Die Tassen haben, je größer sie sind, logischerweise auch ein größeres Fassungsvermögen. Wäre die Tasse zu voll, würde das Blut durch die kleinen Löcher am Rand austreten. Das ist bei mir aber noch nie passiert. Hat man eine starke Blutung, würde ich vor allen Dingen am Anfang raten, die Menstruationstasse vielleicht 3 Mal zu wechseln, bis man ein Gefühl für den Wechsel bekommt.

Beim Wechsel bin ich mittlerweile routiniert geworden, sodass das Entleeren und Einsetzen recht schnell geht. Auch beim Joggen und Schwimmen hatte ich die Tasse schon in Verwendung und sie hat wunderbar gehalten. Ich fühle mich durch die Menstruationstasse noch weniger eingeschränkt, denn bei Tampons hat mich immer der Rückholfaden genervt. So hingegen sieht und riecht man nichts und man muss auch nicht den Cup – im Gegensatz zum Tampon – jedes Mal nach dem Schwimmen wechseln.

Natürlich: Man sollte keine Angst davor haben, Blut zu sehen und sich selbst zu berühren, wenn man den Cup einführt (wobei das ja auch bei Tampons der Fall ist).
Wir sind alle Menschen, wir haben alle Körper und es ist vollkommen normal.
Für mich jedenfalls stellt die Menstruationstasse eine riesige Bereicherung dar.
Die Tassen sind nicht teuer und anhand ihrer langen Haltbarkeit hochgerechnet, um einiges günstiger und umweltfreundlicher als Tampons.
Ich glaube: Die Menstruationstasse ist das Tampon der Zukunft!

 

I bleed
every month.
but
do not die.
How am I
not
magic
– Nayyirah Waheed –

Habt ihr schon Erfahrungen mit der Menstruationstasse gemacht oder wäre die Menstruationstasse eine Alternative für die weiblichen Leser unter euch?

3 Kommentare

  1. Toll recherchierter Beitrag. Meines sind die kleinen Tassen allerdings nicht, ich finde Tampons einfach unkomplizierter und bin damit ohne Probleme Jahrzehnte zurechtgekommen. Aber für die eine oder andere mag dies sicher die bessere Alternative sein.

  2. Dein Beitrag ist wirklich super, sehr gut erklärt und recherchiert.
    Ich benutze auch seit ca. 2 Jahren meine Menstruationstasse und hatte noch nie eine so unproblematische Menstruation. Sehr viel weniger Schmerzen, außerdem hatte ich mit Tampons immer so meine Probleme, mit der Tasse war das nach ein wenig Übung nicht mehr der Fall.
    Ich finde die Tasse hat so viele Vorteile und da ich mich aktuell auch mit Müllvermeidung befasse, hat sie da auch wieder einen großen Pluspunkt.

    • Liebe Jasmin,
      vielen lieben Dank!
      Ja, ich möchte die Tasse auch nicht mehr missen und habe schon von vielen anderen Frauen gehört und gelesen, dass die Menstruationstasse ihr Leben positiv verändert hat. Klar ist es am Anfang eine Umstellung, wie bei allen neuen Dingen, aber sobald man mit der Handhabung klar kommt, ist die Tasse eine große Bereicherung!

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