Warum wir trotz Social Media einsam sind

Wir reden zu wenig, trotz Social Media.
Ich finde, in unserer lauten, schnellen Welt, fallen viel zu wenige echte Worte.

Kkennst du das: Jeden Morgen greifen wir erst einmal zum Handy, anstatt einen Guten Morgen zu wünschen oder sich ein bisschen im Bett auszustrecken und noch zu träumen. Pardon ich meine Smartphone, nicht Handy. Weil ja nicht nur die Spezies Menschen ‚smart’ sondern auch die Technik verdammt schlau geworden ist. So schlau, dass sie uns mit dem Klick sagen kann, was Peter um 6.03 Uhr gerade auf Facebook anstellt oder was irgendein Social Media Influencer gerade zum Frühstück isst.
Twitter, Facebook, Instagram, Snapchat. Es gibt so viele Social Media Kanäle, dass man schon mal den Überblick verlieren kann. Ein paar Knöpfchen drücken oder mit dem Finger sanft über das Display steicheln, schon wird kommuniziert. Allerdings ohne einander direkt ins Gesicht zu sehen. Was soll das?

Ich glaube, uns ist die Sprache verloren gegangen, obwohl wir den ganzen Tag nichts anderes machen, als Nachrichten über unser Smartphone zu versenden. Ich frage mich, wann es so weit gekommen ist, dass wir uns treffen, uns aber eigentlich nur für das Smartphone und die so soziale „Social Media Welt“ interessieren. Wir kürzen ab (HDL und OMG) und schicken virtuelle Smileys anstatt unserem Gegenüber echt ins Gesicht zu lächeln.
Wir denken, wir kommunizieren, teilen uns mit – und teilen alles gleich auf Facebook. Wir sind so richtig sozial geworden. Und einsam.

Social Media ist toll – oder?

Morgens, wenn die Müdigkeit noch im Zug, Auto, auf dem Fahrrad mitfährt, dann starren wir lieber auf kleine, bunte Bildschirme. In unseren Ohren stecken Kopfhörer, als wären sie mit uns verwachsen. Kein Blick nach links oder rechts, sondern nur ein Starren auf die letzte Nachricht. Am Bahnhof sitzen wir dann nebeneinander, anstatt miteinander zu reden weil in jeder Hand ein Handy klebt. Manchmal schreiben wir uns noch und finden es witzig wenn ein ‚Pling’ ertönt, weil du mir gerade eine Nachricht geschickt hast, obwohl du neben mir sitzt.
Ich glaube, es wäre sogar schneller gegangen miteinander zu reden, egal wie schnell das Internet mittlerweile ist. Du hättest das Handy einstecken und mir deine Worte schenken können. Aber so ist es ja viel lustiger. Und außerdem wirkt es, als wären wir viel wichtiger, als wir in Wirklichkeit sind.

Ich frage mich nur, wann die virtuelle Welt interessanter geworden ist, als die echte. Warum müssen wir, wenn wir denn schon endlich einen Termin gefunden haben zum gemeinsam zu essen, trinken, tanzen und lachen zu gehen, immer das Smartphone griffbereit haben? Warum müssen wir alles filmen, fotografieren um es dann auf einer Social Media Plattform hochladen? Warum füllen wir die Stille, die Leere zwischen unseren Sätzen lieber mit einer Statusaktualisierung als mit einem netten Wort, das alles überspielt?

Wir dokumentieren alles. Für eine anonyme Masse

Immerhin kann man ja schnell posten, dass wir gemeinsam unterwegs sind, weil das doch das Gemeinschaftsgefühl stärkt, das Umfeld informiert und ach, sowieso! Aber wem nutzt das? Wen müssen wir beeindrucken? Fremde, die wir gar nicht kennen? Sollten nicht vielmehr unsere wahren Freunde zählen?

Wir, die Jugend, ist vernetzt. Aber nicht nur die. Ab 40 aufwärts haben auch Mama und Papa
die virtuelle Kommunikation für sich entdeckt. Nur wer bei der Steuererklärung ‚Rentner’ ankreuzt greift ab und an noch zum Telefon oder beinah zu exotisch zu Briefpapier und Stift. Das ist die Generation, die nicht mehr mithalten kann – sagen wir. Wer heute kein Handy und kein Internet hat ist aufgeschmissen.
Denn wir müssen ja immer, immer erreichbar sein oder andere erreichen können.

Im Wartezimmer lässt sich die Zeit anstatt mit einer Zeitschrift oder dem gehusteten Gespräch doch viel besser mit einem Blick in die weite Welt des Netzes verkürzen. Wir sagen kaum noch ‚Ich liebe dich’ wir versenden lieber Herzen. Dabei sind wir stumm. Als hätten wir uns nichts zu sagen. Dabei gibt es doch so viel, was besprochen werden kann. Ist uns die Technik wirklich wichtiger geworden?

Es kommt häufig vor, dass ich an der Bushaltestelle oder vor einem Restaurant auf meine Verabredung warte und eben mal schnell den Blick auf das Smartphone werfe. Weil ich fragen will, wo der andere bleibt und noch wichtiger: Ich will nicht aussehen als wäre ich vielleicht sogar versetzt worden oder als wäre ich einsam, ungeliebt.

Ich will nicht einsam wirken.

Und ich glaube, es geht vielen so. Die Verlegenheit des Alleinseins wird durch den Griff zum Smartphone überspielt. Man will ja nicht einsam wirken und taucht dann lieber in die Social Media Welt ab.

Aber das sind wir. Wir sind einsam, manchmal – besonders mit dem Smartphone in der Hand. Wir schaffen eine Glasglocke um uns, dir wir leeren Codes füllen. Eine Glasglocke, die deine Welt mit meiner verbinden soll, ohne dass wir eigentlich Kontakt haben.
Manchmal stößt meine Glasglocke noch an deine, wenn wir zufällig ein bisschen zu nahe aneinander stehen. Dann macht es ‚Ping’ und wir schauen uns an. „Was war das?“ denken wir dann und googeln es schnell. Anstatt nachzufragen.

5 Kommentare

  1. Pingback: Linkliebe № 1 - LexasLeben

  2. Ein schöner Text, der glücklicherweise nichts mit meiner Lebensrealität zu tun hat. Wenn ich Freunde treffe, dann wird nur äußerst selten mal ein Smartphone gezückt. Und wenn, dann meist nur, um das nächste Treffen in den Kalender einzutragen 😉
    Klar, mit meinem Mann Abends auf der Couch kann es vorkommen, dass wir mal nebeneinander sitzen und beide mit den Handys tüddeln, aber dann spielen wir entweder gerade gegeneinander oder wir haben für den Tag einfach alles beredet und sind mal ganz froh über ne halbe Stunde Stille. 😉

    Es hat immer zwei Seiten, aber ich kann mir vorstellen, dass die Seite, die du hier darstellst für viele wahr ist. Für mich glücklicherweise nicht. Und da fällt mir grade ein, da habe ich auch schon mal drüber geschrieben: http://lexasleben.de/wie-du-inhalt-erstellst-der-geteilt-wird-und-zwar-ueberall/

    LG Lexa

    • Du hast vollkommen Recht! Es gibt – zum Glück! – viele, bei denen das vielleicht überspitzt beschriebene Verhalten nicht zutrifft. Ich mag Social Media und ich finde, es hat auch viele positive Seiten: Gemeinsam lernen, Inspirationen finden, Gleichgesinnte finden und sich austauschen. Keine Frage, das ist toll.
      Aber manchmal stört es mich eben doch, dass viele – vor allen Dingen Blogger (wobei das bei manchen ja der Beruf ist und hier die Grenzen von Job und Privat verschwimmen) – sehen ihre Welt durch einen kleinen Smartphonebildschirm, häufig auf der Jagd nach dem nächsten tollen Schnappschuss und dem nächsten Ereignis, das geteilt werden kann. Manchmal sollte man auch sein Leben einfach nur mit Freunden, Familie etc. genießen können, ohne daran zu denken, was man posten „muss“.

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